Übersicht – Steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung

In einem neuen § 35 c Einkommensteuergesetz (EStG) ist die steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung ab dem 1. Januar 2020 geregelt.

Aufwendungen für energetische Sanierungsmaßnahmen an selbstgenutzten Gebäuden können darüber bis zu 40.000 Euro von der Steuerschuld abgezogen werden, die Steuererleichterungen gelten bis Ende 2029. Nachfolgend finden Sie die wesentlichen Punkte der neuen steuerlichen Förderung übersichtlich zusammengefasst. Das Bundesfinanzministerium hat bereits angekündigt, dass zu Einzelfragen der Neuregelung der steuerlichen Förderung der energetischen Gebäudesanierung ein zusätzliches Anwendungsschreiben erlassen wird.

Gefördert werden ausschließlich folgende acht energetische Maßnahmen:

  • die Wärmedämmung von Wänden,
  • die Wärmedämmung von Dachflächen sowie
  • die Wärmedämmung von Geschossdecken, außerdem
  • die Erneuerung der Fenster oder Außentüren,
  • die Erneuerung oder der Einbau einer Lüftungsanlage,
  • die Erneuerung der Heizungsanlage,
  • der Einbau von digitalen Systemen zur energetischen Betriebs- und Verbrauchsoptimierung und
  • die Optimierung bestehender Heizungsanlagen, sofern diese älter als zwei Jahre sind.

Technische Anforderungen

Die technischen Mindestanforderungen für die energetischen Maßnahmen sind in einer neu erlassenen Rechtsverordnung, der Energetischen Sanierungsmaßnahmen-Verordnung, festgelegt. Die dort in den Anlagen 1 bis 8 enthaltenen Werte sind identisch mit den Anforderungswerten aus dem KfW-Programm 151/152/430 “Energieeffizient Sanieren” (Anlage).

Fördervolumen

Die Förderung beträgt je Einzelmaßnahme 20 Prozent der Aufwendungen und höchstens 40.000 Euro für das Gesamtobjekt. Somit können Aufwendungen bis 200.000 Euro steuerlich geltend gemacht werden. Die Förderung kann auch für mehrere Einzelmaßnahmen an einem selbstgenutzten Gebäude in Anspruch genommen werden.

Begünstigtes Objekt/ Selbstnutzung

Begünstigtes Objekt ist ein in der Europäischen Union oder dem Europäischen Wirtschaftsraum gelegenes zu eigenen Wohnzwecken genutztes eigenes Gebäude. Die Steuerermäßigung kann nur in Anspruch genommen werden, wenn der Steuerpflichtige das Gebäude im jeweiligen Kalenderjahr ausschließlich zu eigenen Wohnzwecken nutzt. Eine Nutzung zu eigenen Wohnzwecken liegt auch vor, wenn Teile einer zu eigenen Wohnzwecken genutzten Wohnung anderen Personen unentgeltlich zu Wohnzwecken überlassen werden. Die Begünstigung gilt auch für Gebäudeteile, die selbständige unbewegliche Wirtschaftsgüter sind, sie gilt für Eigentumswohnungen entsprechend. Das Gebäude, an dem die energetische Sanierungsmaßnahme durchgeführt wird, muss älter als zehn Jahre sein. Maßgebend hierfür ist der Beginn der Herstellung.

Steuerliche Berücksichtigung

Im Rahmen der Einkommensteuererklärung kann die begünstigte Maßnahme drei Jahre lang steuerlich berücksichtigt werden, im Jahr ihres Abschlusses und im darauffolgenden Jahr mit höchstens 7 % (maximal jeweils 14.000 Euro) der Aufwendungen und im übernächsten Kalenderjahr mit höchstens 6 % (maximal 12.000 Euro) der Kosten, die jeweils direkt von der Steuerschuld abgezogen werden.

Keine Doppelförderung

Die Steuerermäßigung nach § 35 c EStG wird nicht gewährt, wenn es sich bereits um eine öffentlich geförderte Maßnahme handelt, für die zinsverbilligte Darlehen oder steuerfreie Zuschüsse (z.B. durch die BAFA oder KfW) in Anspruch genommen werden (§ 35 c Absatz 3 Satz 2 EStG). Es gibt keine Doppelförderung.

Ein Steuerabzug ist nicht zulässig, soweit die Aufwendungen bereits als Werbungskosten, Betriebsausgaben, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen berücksichtigt worden sind.

Wenn die Steuerermäßigung als Steuerbonus für Handwerkerleistungen (§ 35 a Absatz 3 Einkommensteuergesetz) in Anspruch genommen wurde, scheidet die Förderung der energetischen Sanierungsmaßnahme aus.

Die Steuerermäßigung ist ebenfalls nicht zu gewähren, wenn für die energetischen Maßnahmen schon eine Steuerbegünstigung nach § 10f Einkommensteuergesetz (Steuerbegünstigung für zu eigenen Wohnzwecken genutzte Baudenkmale und Gebäude in Sanierungsgebieten und städtebaulichen Entwicklungsbereichen) berücksichtigt wird.

Ausführung durch Fachunternehmen

Voraussetzung für die Förderung ist die Ausführung der jeweiligen energetischen Maßnahme durch ein Fachunternehmen. Eigenleistungen sind nicht steuerlich begünstigt.

Nachweis durch Bescheinigung

Die Steuerermäßigungen können nur in Anspruch genommen werden, wenn durch eine nach amtlich vorgeschriebenem Muster erstellte Bescheinigung des ausführenden Fachunternehmens nachgewiesen wird, dass die Voraussetzungen erfüllt sind. Zu den Aufwendungen für energetische Maßnahmen gehören auch die Kosten für die Erteilung dieser Bescheinigung.

Rechnung und Überweisung

Erforderlich ist, dass der Auftraggeber eine Rechnung erhalten hat, welche die förderungsfähigen energetischen Maßnahmen, die Arbeitsleistung des Fachunternehmens und die Adresse des begünstigten Objekts ausweisen, und die in deutscher Sprache ausgefertigt ist.

Voraussetzung ist ferner, dass die Zahlung auf das Konto des Leistungserbringers erfolgt ist.

Hinweis

Eine Barzahlung schließt die Begünstigung aus.

Förderzeitraum

Die Förderung läuft 10 Jahre lang, sie ist auf Baumaßnahmen anzuwenden mit deren Durchführung ab dem 1. Januar 2020 begonnen wurde und die bis zum 31. Dezember 2029 abgeschlossen sind.

Als Beginn gilt bei energetischen Maßnahmen für die eine Baugenehmigung erforderlich ist, der Zeitpunkt, in dem der Bauantrag gestellt wird. Bei nicht genehmigungsbedürftigen Maßnahmen ist zu unterscheiden: für Vorhaben, die nach Maßgabe des Bauordnungsrechts der zuständigen Behörde zur Kenntnis zu geben sind, gilt als Beginn der Zeitpunkt des Eingangs der Kenntnisgabe bei der zuständigen Behörde und für sonstige nicht genehmigungsbedürftige, insbesondere genehmigungs-, anzeige- und verfahrensfreie Vorhaben, der Zeitpunkt des Beginns der Bauausführung (§ 52 Absatz 35 a Einkommensteuergesetz).

Energieberater

Wurde ein Energieberater durch den Steuerpflichtigen mit der planerischen Begleitung oder Beaufsichtigung der genannten energetischen Maßnahmen beauftragt, werden auf Vorschlag des Bundesrats auch diese Kosten gefördert, mit 50 Prozent der Aufwendungen. Für die Inanspruchnahme der steuerlichen Sanierungsförderung ist die Beauftragung eines Energieberaters jedoch nicht zwingend vorgeschrieben, kann also nach eigenem Ermessen des Steuerpflichtigen erfolgen.

Energieberater im Sinne des Gesetzes sind die vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) als fachlich qualifiziert zum Förderprogramm „Energieberatung für Wohngebäude (Vor-Ort-Beratung, individueller Sanierungsfahrplan)” zugelassenen Personen.

Mehrere Begünstigte Steht das Eigentum am begünstigten Objekt mehreren Personen zu, können die Steuerermäßigungen für das begünstigte Objekt insgesamt nur einmal in Anspruch genommen werden.